Zauberer Ben Ali Bey

"Wer seine Vorstellungen nicht gesehen hat, kann sich von deren Wirkungen keinen rechten Begriff machen", schrieb der Zauberhistoriker Ottokar Fischer über ihn. Die Geschichte des Zauberers Ben Ali Bey zeigt, wie sich Theater und Zauberei gegenseitig befruchten können: Er begann seine Laufbahn nicht im Varieté, wie viele seiner Kollegen, sondern im deutschen Stadttheaterbetrieb. Er gehörte zu jenen Zauberkünstlern, die ein Trickprinzip in vielen Variationen variierten und dadurch eine Unmenge Effekte erzielen konnten. Sein besonderes Verdienst war die Erfindung und ständige Weiterentwicklung des "Schwarzen Kabinetts", das später vor allem durch das Schwarze Theater in Prag bekannt geworden ist. Das Trickprinzip beruht auf schwarzer Kostümierung vor schwarzem Hintergrund. So kann etwa das Erscheinen und Verschwinden unterschiedlicher Gegenstände gezeigt werden, aber auch komplizierte Schwebeeffekte sind möglich.

Geboren wurde der große deutsche Magier des 19. Jahrhunderts am 26. Juli 1867 in München. Max Auzinger, wie er mit bürgerlichem Namen hieß, arbeitete die ersten 30 Jahre seines Lebens als Teppichfabrikant in Augsburg, dann wandte er sich dem Stadttheaterbetrieb zu. Als Regisseur war er im Jahr 1882 am Berliner Nationaltheater für die Inszenierung des Stücks "Donadier Morley" zuständig. Hierin sollte in einer der Szenen ein schwarzer Mann eine weibliche Gefangene aus einem Verließ befreien. Bei den Proben zeigte sich jedoch rasch, dass der Schwarze in dem schummrigen Licht kaum zu erkennen war - eine Beobachtung, die dem Regisseur nicht mehr aus dem Kopf ging und in den folgenden Jahren zur Entwicklung des "Schwarzen Kabinetts" beitragen sollte.

1885 trat Max Auzinger unter dem Namen Ben Ali Bey zum ersten Mal selbst in einem solchen Kabinett auf. Der orientalische Name war Programm und wurde durch ein üppiges, prachtvolles Samtkostüm sowie seinen mächtigen Bartwuchs noch ergänzt. In seinen Vorstellungen hielt er einen unterhaltsamen Vortrag, der von verschiedenen Musikdarbietungen unterbrochen wurde. Seine Vorführungen zeichneten sich meist durch poetische Ideen aus, die durch humorvolle und bisweilen ironische Inszenierungen die richtige Würze bekamen. Dabei kam ihm natürlich auch seine Erfahrung als Dramaturg und Theatermacher zu Hilfe. So zeigte der Magier beispielsweise, wie ein auf eine Tafel gemaltes Skelett zum Leben erwachte und zur Musik zu tanzen begann: Es tanzte selbst dann noch weiter, als ein Teil des Skeletts weggewischt wurde. In einem anderen Kunststück blies Ben Ali Bey vier verschieden große Seifenblasen in den Raum, die auf der Bühne magisch hin und her schwebten und sich zum Finale in einer Pyramide vereinigten.

Auf seine Zuschauer machte Ben Ali Bey einen ungeheuren Eindruck. Ottokar Fischer zählte ihn zu den drei größten zeitgenössischen Zauberern. Bis ins hohe Alter von 75 Jahren stand er zaubernd auf der Bühne und produzierte ständig neue Effekte. Er starb am 14. Mai 1928 in Berlin.